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Warum die Diskussion über Baugesuche mehr verdient als Schuldzuweisungen

Die Diskussion über die langen Bearbeitungszeiten von Baugesuchen beschäftigt Langenthal seit Jahren. Zu Recht.

 


Ich kenne die Problematik nicht nur aus meiner Tätigkeit als Stadtrat und Mitglied der Bau- und Planungskommission, sondern auch aus meiner langjährigen beruflichen Praxis. Mit meinem eigenen Büro erlebe ich nach wie vor, wie anspruchsvoll und langwierig Bauverfahren in Langenthal sein können. Die Frustration darüber ist für mich deshalb keine theoretische Diskussion, sondern Teil meines beruflichen Alltags.

 

Gerade deshalb beschäftigt mich dieses Thema auch politisch. Die Probleme bestehen weiterhin und sie müssen angesprochen werden. Wer heute mit Baugesuchen zu tun hat, braucht oftmals viel Geduld. Dass dies für Bauherrschaften, Planer, Unternehmen und Investoren belastend ist, kann ich aus eigener Erfahrung nachvollziehen.

 

Gleichzeitig habe ich durch meine Tätigkeit im Stadtrat und in der Bau- und Planungskommission Einblicke erhalten, die mir früher nicht bekannt waren. Das hat meine Sicht auf die Situation verändert. Nicht weil die Probleme kleiner geworden wären, sondern weil ich heute besser verstehe, wo die Schwierigkeiten liegen und wie schwierig es ist, Veränderungen tatsächlich herbeizuführen.

 

Vor meinem Eintritt in die Politik hätte ich wohl vieles ähnlich beurteilt wie zahlreiche engagierte Personen aus dem Architektur Forum oder andere Betroffene. Heute stelle ich fest, dass ein grosser Teil der politischen Arbeit für die Öffentlichkeit gar nicht sichtbar ist.

 

Gerade in der Bau- und Planungskommission werden Themen intensiv diskutiert, hinterfragt und weiterentwickelt. Es werden Fragen gestellt, zusätzliche Abklärungen verlangt, Verbesserungen angestossen und Anträge gestellt. Vieles davon geschieht jedoch ausserhalb der öffentlichen Wahrnehmung.

 

Persönlich würde ich mir grundsätzlich deutlich mehr Transparenz wünschen. Das bestehende Kommissionsgeheimnis verhindert oftmals, dass die Bevölkerung nachvollziehen kann, woran gearbeitet wird und welche Diskussionen geführt werden. Zwar sehe ich ein, dass es bei einzelnen Geschäften Gründe für Vertraulichkeit gibt. In seiner heutigen Form führt das Kommissionsgeheimnis jedoch dazu, dass ein grosser Teil der politischen Arbeit unsichtbar bleibt. Gleichzeitig bleibt für die Öffentlichkeit oft auch verborgen, wer welche Positionen vertritt, welche Anträge stellt und wie einzelne Entscheide zustande kommen. Mehr Transparenz könnte deshalb nicht nur die geleistete Arbeit sichtbarer machen, sondern auch die politische Verantwortung klarer aufzeigen.

 

Dadurch entsteht nicht selten der Eindruck, es werde zu wenig getan oder Probleme würden nicht ernst genommen. Aus meiner bisherigen Erfahrung entspricht dies oftmals nicht der Realität. Die Diskussionen finden statt, die Arbeit wird geleistet, sie bleibt aber weitgehend verborgen.

 

Das ist frustrierend.

 

Nicht weil es um persönliche Anerkennung geht. Sondern weil man erlebt, wie viel Zeit und Engagement von Milizpolitikerinnen und Milizpolitikern investiert wird, während gleichzeitig der Eindruck entstehen kann, es passiere nichts.

 

Wer politische Verantwortung übernimmt, investiert viele Stunden in Sitzungen, Aktenstudium, Gespräche und Vorbereitungen. Dies geschieht neben Beruf, Familie und anderen Verpflichtungen. Ich gebe offen zu, dass ich mich durchaus schon gefragt habe, weshalb ich diesen Aufwand betreibe. Die politische Arbeit beansprucht viel Zeit, und gleichzeitig erlebe ich die Probleme bei Baugesuchen in meinem beruflichen Alltag weiterhin ganz konkret. Wenn man sich intensiv engagiert und trotzdem nur langsam Verbesserungen sichtbar werden, ist das frustrierend. Diese Gedanken gehören aus meiner Sicht zur ehrlichen Realität der Milizpolitik.

 

In den vergangenen Monaten wurde verschiedentlich Enttäuschung darüber geäussert, dass politisch aktive Personen Erwartungen nicht erfüllt hätten. Solche Enttäuschungen respektiere ich. Wer sich seit Jahren für Verbesserungen einsetzt, darf Erwartungen haben. Umso mehr hat mich irritiert, wenn politisch aktive Mitglieder pauschal dafür kritisiert werden, Erwartungen nicht erfüllt zu haben. Wer Erwartungen an politisch tätige Personen hat, sollte diese auch direkt formulieren und das Gespräch suchen. Gerade weil ein grosser Teil der Arbeit für die Öffentlichkeit nicht sichtbar ist, entstehen sonst schnell Urteile, ohne dass die Hintergründe bekannt sind.

 

Dabei möchte ich eines klar festhalten: Die bestehenden Probleme dürfen nicht schöngeredet werden. Aus meiner beruflichen Praxis weiss ich, dass auch anspruchsvolle Baugesuche in anderen Gemeinden teilweise deutlich schneller bearbeitet werden können. Das zeigt, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen allein die Unterschiede nicht erklären. Deshalb müssen wir den Mut haben, die organisatorischen Abläufe, die Ressourcen und auch die Führungsstrukturen kritisch zu hinterfragen.

 

Genau dort sollten wir ansetzen. Ich begrüsse deshalb alle Bestrebungen, von anderen Gemeinden zu lernen, Prozesse zu vergleichen und erfolgreiche Ansätze zu übernehmen. Verbesserungen entstehen selten durch Schuldzuweisungen, sondern durch eine ehrliche Analyse und die Bereitschaft, Bestehendes kritisch zu hinterfragen.

 

Die Diskussion wurde für mich zuletzt auch durch den BZ-Artikel vom 26. April 2025 über Bauvorschriften, Nutzungsänderungen und Reklamen an geschützten Gebäuden geprägt. Die darin geäusserte Kritik an langen Verfahren und bürokratischen Hürden kann ich teilweise nachvollziehen. Gleichzeitig zeigt gerade dieses Beispiel, dass Verfahrensbeschleunigung nicht bedeuten darf, auf gestalterische Anforderungen oder den Schutz des öffentlichen Raums zu verzichten.

 

Persönlich bin ich keineswegs der Meinung, dass jede Vorschrift überflüssig ist oder jede gestalterische Anforderung abgeschafft werden sollte. Gerade Fragen des Ortsbildes, der Architektur und des öffentlichen Raums betreffen nicht nur Eigentümer, sondern die gesamte Bevölkerung.

 

Wie es der Architekt und Städteplaner Vittorio Magnago Lampugnani treffend formuliert hat: «Die Fassade eines Gebäudes ist weniger seinem Bewohner oder Bauherrn verpflichtet als der Öffentlichkeit.» Diesen Gedanken teile ich ausdrücklich. Die Gestaltung unserer Stadt ist ein öffentliches Anliegen und keine reine Privatsache.

 

Gleichzeitig darf diese Diskussion nicht davon ablenken, wo die eigentlichen Herausforderungen liegen. Die langen Bearbeitungszeiten von Baugesuchen beschäftigen Langenthal seit Jahren und müssen verbessert werden.

 

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis meiner bisherigen politischen Tätigkeit: Die Probleme sind real. Die Kritik daran ist berechtigt. Aber Verbesserungen entstehen nicht durch einfache Antworten oder gegenseitige Vorwürfe. Sie entstehen durch konkrete Arbeit, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

 

Dafür werde ich mich weiterhin einsetzen – als Stadtrat, als Mitglied der Bau- und Planungskommission, als Berufsmann und als jemand, der die Kritik an den bestehenden Zuständen nicht nur versteht, sondern selber erlebt.

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