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Von Evita Perón zu Javier Milei – Argentinien am Wendepunkt


Javier Milei startete seine vielbeachtete Rede am World Economic Forum (WEF) 2024 in Davos mit den Worten: „Heute bin ich hier, um Ihnen zu sagen, dass die westliche Welt in Gefahr ist. Sie ist in Gefahr, weil diejenigen, die eigentlich die Werte des Westens verteidigen sollten, von einer Weltanschauung vereinnahmt werden, die unweigerlich zu Sozialismus, und damit zu Armut führt. Leider haben in den letzten Jahrzehnten die führenden Politiker der westlichen Welt das Modell der Freiheit zugunsten verschiedener Versionen dessen, was wir Kollektivismus nennen, aufgegeben. Einige wurden von gutmeinenden Menschen motiviert, die anderen helfen wollen, und andere vom Wunsch, einer privilegierten Kaste anzugehören.“ Er fuhr fort, niemand könne darüber besser Zeugnis ablegen als sie, die Argentinier.


Argentinien ist reich an natürlichen Ressourcen. Es besitzt Erdöl, Erdgas und seltene Erden. Im 19. Jahrhundert zog es viele Europäer an, die auf der Suche nach einem besseren Leben waren. Damals war Argentinien ein Einwanderungsland.


Als Ende des zweiten Weltkriegs Juan Perón durch einen Militärputsch an die Macht kommt, verspricht er dem Volk Wohlstand durch den Ausbau der Arbeitnehmerrechte. Er verstaatlicht Industrien und enteignet Unternehmer. Perón hält sich mit Hilfe seiner Frau Evita an der Macht. Maria Eva Duarte de Perón stammt aus der Arbeiterklasse. Aufgewachsen auf dem Land kommt sie als 15-jährige nach Buenos Aires um als Schauspielerin ihr Glück zu versuchen und endet als First Lady und eigentliche Aktivistin. Mit ihrer direkten, propagandistischen Art versteht sie es, mit flammenden Reden die Massen zu bewegen und ihren um 20 Jahre älteren Ehemann, den General Perón, zu stützen.


Evita Perón verfolgt eine Art „verteilende Gerechtigkeit“. Die 1948 gegründete Evita Perón Wohltätigkeitsstiftung verfügt auf ihrem Höhepunkt über ein Stiftungsvermögen von über 200 Millionen Dollar, beschäftigt über 14’000 Arbeiterinnen und Arbeiter, kauft jährlich 500’000 Nähmaschinen, 400’000 Paar Schuhe und 200‘000 Kochtöpfe, welche sie an die Armen verteilt. Ausserdem baut die Stiftung zahlreiche neue Häuser, Schulen, Kranken- und Waisenhäuser. Evita Perón wird dafür vom Volk wie eine Königin verehrt. Sie geniesst das Bad in der Menge und ihren steilen sozialen Aufstieg. Sie bereist Europa und wird auch hier mit Orden, Ehren und Empfängen gefeiert. Nur die englische Königin soll ihr eine Audienz verweigert haben.


Ihr Ehemann, General Juan Perón ist ein Bewunderer von Mussolini und Hitler. Es ist belegt, dass Nazigold mit der Hilfe Peróns in Sicherheit gebracht wurde. Inwiefern dies den unbeschreiblichen Reichtum der Peróns erklärt, ist jedoch umstritten. Als Evita Perón eines Tages gefragt wird, wie sie die Buchhaltung ihrer Stiftung führt, sagt sie: «Ich gebe das Geld für die Armen aus. Ich habe keine Zeit, es zu zählen». Evita setzt die Industriellen unter Druck. Sie verlangt Geld. Wer kein Geld spendet, riskiert, enteignet zu werden.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die argentinische Wirtschaft, gezeichnet von mehreren (Hyper-)Inflationen, am Boden. Über 50 Prozent der argentinischen Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze.


Wie aus dem Nichts betritt nun mit Javier Milei eine weitere Persönlichkeit das politische Parkett Argentiniens, deren Gabe es ist, die Massen zu begeistern. Dies soll sich aber auch als einzige Gemeinsamkeit mit Evita Perón erweisen. Javier Milei sagt den Peronisten den Kampf an. Er gewinnt die Gunst des Volkes nicht durch das Verteilen von Almosen sondern mit feuriger Überzeugung für das kapitalistische System, als die – wie er sagt - einzige Wirtschaftsform, die in der Lage sei, Armut und Korruption zu bekämpfen und dies in ethisch vertretbarer Weise. Er verfolgt eine kompromisslose liberal-libertäre Wirtschaftspolitik, und bewegt damit in wundersamer Weise die Massen. Er verspricht Argentinien die Freiheit zurückzubringen und es (sinnbildlich mit der Kettensäge) von Korruption zu befreien.


Wohlverstanden, ich teile die Meinung Mileis, Steuern seien Diebstahl, nicht. Dennoch hat die Unbeirrtheit dieses Mannes eine Faszination, welcher auch ich mich nicht entziehen kann. Milei gewinnt Wahlen, indem er den Menschen Privilegien entzieht. Er kürzt Renten, baut staatliche Ämter ab, lockert Arbeitnehmerschutz und Devisenbeschränkungen und wird dafür vom Volk geliebt. Milei versteht es, auf charismatische Art und Weise einem von Armut und Korruption gebeutelten Land Selbstvertrauen und Hoffnung zurückzugeben.

Argentinien, zerrissen zwischen Sozialismus und Liberalismus. Im Rahmen der Grossratswahlen 2026 zeigt die FDP.Die Liberalen Oberaargau in einem Filmabend die Filmbiografie «Evita», von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice aus dem Jahr 1996, mit dem Pop-Idol Madonna in einer ihrer wohl schönsten Rollen.


Der Bundeshausjournalist und Politikwissenschafter Dominik Feusi ordnet in einem Inputreferat die jüngsten Entwicklungen in Argentinien und deren Bedeutung für die freiheitliche westliche Welt ein.


Ich freue mich ausserordentlich auf diesen Abend mit anschliessendem Austausch beim Apéro, zu welchem Sie alle herzlich eingeladen sind.

Der Eintritt ist frei. Plätze können gebucht werden unter www.kino-scala.ch. First come, first serve.

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