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Der Gemeinschaft dienen als Grundhaltung

Aktualisiert: 12. Sept. 2023

Weshalb nimmt die Bereitschaft heute ab, sich freiwillig für das Wohl der Allgemeinheit zu engagieren? Und wie könnten insbesondere in Langenthal die Bedingungen für Milizarbeit wieder attraktiver gestaltet werden?



Foto © BFU


Vor einigen Wochen hatte ich ein durch und durch spannendes Gespräch mit einem knapp zwanzigjährigen Mann aus Zürich. Es war eine Freude, mit ihm zu diskutieren und es war toll zu spüren, wie junge Menschen an die Zukunft glauben und mit welch grossem Realismus sie die aktuelle Lage einschätzen.


Ein einziger – für mich aber wesentlicher Punkt – liess und lässt mich immer wieder über dieses Gespräch nachdenken. Irgendeinmal kam unser Gespräch auch auf den Militärdienst. Der junge Mann sagte, es sei für ihn selbstverständlich, dass er die Rekrutenschule absolvieren werde. Weitermachen als Unteroffizier oder als Offizier werde er jedoch nicht. Als ich ihn nach den Gründen fragte, antwortete er, dass er rasch beruflich Karriere machen möchte – und mit den Steuern, die er dann aufgrund seines höheren Verdienstes zu bezahlen habe, werde er seinen Beitrag an den Staat leisten.


Seine Ressourcen der Allgemeinheit opfern?


Ich stand also einem tollen, hoch intelligenten, sozial verantwortungsbewussten jungen Mann gegenüber, den ich in jeder Hinsicht für seine Reife bewundere, der sich auch bewusst ist, dass unser Land von ihm etwas braucht, das er in Form von Steuern zu geben bereit ist. Seine Zeit und damit seine persönliche Erfahrung und sein Wissen einzubringen, ist er jedoch nicht gewillt.


Dies ist der Punkt, der mir Sorge bereitet. Wir leben heute immer noch in einer vergleichsweise guten Situation, in einem «Petit Paradis», wie es unser Alt-Bundespräsident Johann Schneider-Ammann jeweils bildhaft veranschaulicht. Meiner Überzeugung nach entsteht ein Paradies aber nur dank der persönlichen Pflege durch seine Bewohnerinnen und Bewohner und nicht durch Geldleistungen, mit denen Gärtnerinnen und Gärtner beschäftigt werden.


Oder mit anderen Worten: Die Bereitschaft, sich für die Gemeinschaft und damit für das Gemeinwohl persönlich einzusetzen ist das, was aus meiner Sicht den Unterschied zwischen unserem Land und anderen Staaten ausmacht respektive ausgemacht hat. Verlieren wir diese Bereitschaft, verliert unser Land seine Besonderheit.


Unser Milizsystem – kein Auslaufmodell!


Selbstverständlich ist es nicht immer angenehm, seine Zeit für Dinge aufzuwenden, die nicht unmittelbar den persönlichen Interessen dienen. Die Bereitschaft sich zu engagieren und in Vereinen, Organisationen und Behörden Aufgaben zu übernehmen, ist jedoch ein entscheidender Erfolgsfaktor für unsere Gesellschaft. Sie baut auf der Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger auf, zu dienen und nicht nur Geld, sondern auch persönliche Lebenszeit in etwas Gemeinsames zu investieren, mit anderen Worten Milizarbeit zu erbringen.


Die Voraussetzung dafür, dass unser Milizsystem eine Zukunft hat, liegt einerseits in der inneren Bereitschaft aller Bürgerinnen und Bürger, Dienst zum Wohle anderer zu leisten. Andererseits wird die Bereitschaft zu dienen erleichtert, wenn unser (politisches) System zeitgemäss konzipiert ist und die Bereitschaft, Milizarbeit zu leisten, nicht behindert.


Milizarbeit in Langenthal wieder attraktiver machen


In unserer Stadt Langenthal ist diesbezüglich einiges nicht optimal organisiert. Wir haben zu viele Leerläufe im System, die unnötig Zeit fressen, Frustrationen auslösen und die verhindern, dass Menschen, welche Verantwortung übernehmen, diese auch wirkungsvoll und effizient umsetzen können.


Ein Umdenken tut Not: Jede und jeder von uns sollte sich vermehrt die Frage stellen, wie wir unserer Gemeinschaft dienen könnten. Auf der anderen Seite sollten wir uns als Stadt einmal die Zeit nehmen darüber nachzudenken, wie wir uns aufstellen müssen, damit die geleistete Milizarbeit wirkungsvoller, effizienter und damit auch wieder attraktiver wird. Unsere Stadtratsfraktion hat diese Aufgabe im Fokus und arbeitet laufend an diesem Thema.

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