Kultur und bürgerliche Parteien
- Jana Fehrensen

- vor 1 Tag
- 2 Min. Lesezeit

Die Kulturnacht in Langenthal ist noch gut in Erinnerung präsent.
Volle Räume. Begegnungen. Gespräche. Begeisterung. Menschen aus der ganzen Region, unterschiedliche Generationen, ganz verschiedene Hintergründe.
Nach so einem Abend gehe ich nach Hause und denke:
Genau dafür machen wir das.
Und ein paar Wochen später höre ich wieder die Stimmen, die behaupten:
«Die FDP will nur noch bei der Kultur sparen.»
«Für euch ist Kultur nur ein Nice-to-have.»
«Ihr überlasst das Feld den Linken.»
Ich höre das als Museumsleiterin des Museums Langenthal. Und ich höre es als FDP-Stadträtin. Und ich frage mich ehrlich:
Wie kommt man zu diesem Bild?
Denn die Realität, die ich täglich erlebe, ist eine andere.
Viele Kulturinstitutionen in Langenthal wurden ursprünglich aus einem Engagement aus bürgerlichen Kreisen heraus aufgebaut und betrieben – etwa das Stadttheater oder das Museum. Und das ist nicht einfach Geschichte, das zieht sich wie ein roter Faden bis heute durch.
Bis heute engagieren sich Unternehmen, Privatpersonen und zahlreiche Menschen aus dem bürgerlichen Umfeld ganz konkret für Kultur:
mit Sponsoring,
mit finanzieller Unterstützung über Jahre hinweg,
mit Arbeit in Stiftungen und Vereinen,
oft auch ganz still im Hintergrund und bei der Freiwilligenarbeit.
Ohne dieses Engagement würde ein grosser Teil unserer Kulturlandschaft gar nicht existieren.
Denn Kultur sollte nie ein ideologisches Projekt sein, sondern immer ein gesellschaftliches, über Parteigrenzen hinweg.
Trotzdem wird Kulturpolitik heute oft so diskutiert, als gäbe es zwei Lager:
die einen, die Kultur verteidigen und die anderen, die sie nur als unnützen Kostenfaktor sehen.
Diese schwarz-weiss Malerei stimmt so aber nicht.
Kultur wird in der Schweiz breit abgestützt - getragen von Gemeinden, Kantonen, dem Bund und politischen Mehrheiten unterschiedlichster Prägung.
Was sich aber verändert hat, ist wie wir davon sprechen und welche Kriterien wir an die Kultur anwenden:
Während linke Kulturpolitik stärker auf staatliche Förderung und kulturelle Teilhabe fokussiert, betont der bürgerlich-liberale Zugang zusätzlich Verantwortung, langfristige Tragfähigkeit und die Verbindung zwischen Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft.
Für mich – wie für die FDP im Kanton Bern – ist Kultur klar ein öffentliches Gut.
Wichtig für Identität, Bildung, Lebensqualität und Standortattraktivität.
Aber genauso klar ist:
Jeder Franken, der ausgegeben wird, muss zuerst erwirtschaftet werden.
Kultur steht nicht ausserhalb dieser Realität. Sie ist Teil davon.
Das ist keine Geringschätzung.Das ist Verantwortung.
Denn eine lebendige Kulturszene stärkt eine Region:
Sie schafft Identität.
Sie erhöht die Lebensqualität.
Sie wirkt auf Tourismus und Zuzug.
Und sie ist mitentscheidend dafür, warum Menschen hier leben und bleiben wollen.
Kultur ist kein Nice-to-have.
Sie ist ein harter Standortfaktor.
Gerade deshalb muss sie langfristig tragfähig organisiert sein.
Vielleicht liegt das Missverständnis genau hier:
Bürgerliche Kulturpolitik ist oft leiser.
Weniger ideologisch.
Weniger laut in ihrer Erzählung.
Aber sie ist seit Jahrzehnten mittragend, mitfinanzierend, mitorganisierend.
Kultur kann und soll keiner politischen Richtung gehören.
Aber sie braucht eine Politik, die sie nicht nur feiert, sondern langfristig sichert.
Deshalb:
Kultur sichern statt Kultur versprechen.




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